| Dass das Sommerloch so gross ist, dass mehr als 76’000 durchgesickerte Dokumente über den Krieg in Afghanistan reinpassen, wer hätte das gedacht. 76'000 Dokumente, das sind jede Menge Bits und Bytes, unterschlagene Wahrheiten, zurechtgebogenen Tatsachen – bereits vor der Veröffentlichung soll sich das US-Aussenministerium vorsichtshalber um die regionalen Verbündeten gekümmert haben, um Pakistan, dessen Geheimdienst in den Berichten teilweise alles andere als gut wegkam, als Zuarbeiter und Auftraggeber der Extremisten dargestellt wurde (auch schon sagen hören, hier schwarz auf weiss). 76'000 Dokumente, 75 Megabyte: Krieg, Berichte über heimliche Spezialeinsätze, die nur nach ganz oben gerechtfertigt werden und wurden, nicht aber gegenüber den eigenen Verbündeten. Berichte über das Ausmass ziviler Opfer, das man bisher geahnt, aber nicht schwarz auf weiss vor sich gesehen hat (aus der Feder des US-Militärs). Die Militärmaschinerie der Vereinigten Staaten dreht seit der Veröffentlichung auf Hochtouren – wenn es darum geht, das ‹Leck› (englisch ‹leak› – ‹WikiLeak›) zu finden. Es kursieren die ersten Namen und es wurden bereits Fotos des vermeintlichen Informanten publiziert. Schade – hat doch die Öffentlichkeit, das ist | | das Credo von Wikileaks, jederzeit Anspruch auf die ungeschönte, unzensierte Wahrheit.
Begründet wurde die Page von chinesischen Dissidenten und Technikern aus den USA, Taiwan, Europa, Südafrika und Australien. Von dort kommt eines der wenigen bekannten Gesicht hinter WikiLeak, der Programmierer und Autor Julian Assange. Seine Mailbox dürfte dieser Tage bersten, das Telefon glühen. Juristisch dürfte einiges im Hintergrund laufen – die LA Times, Associated Press und die National Newspaper Association spenden die Anwaltszeit. Spenden, ein wichtiges Stichwort: Hoffentlich kommen genug zusammen, um die Plattform auch in Zukunft zu betreiben. Wahrheit streikt nicht. Bleibt zu hoffen, dass solche Enthüllungen in Zukunft nicht nur in die Sommerflaute fallen. Wahrheit macht keine Sommerpause. Und: Hoffentlich gelingt es WikiLeak auch künftig, solche Informationen zu prüfen, wie jetzt, indem die Dokumente mit Sperrfrist zuerst der «NY Times», dem «Guardian» und dem «SPIEGEL» zugespielt wurden, die die Authentizität der Unterlagen prüften. Nicht, dass jeder rachsüchtige Möchtegerninformant seinen ehemaligen Arbeitgeber in die Pfanne hauen und aufgrund fiktiver Dokumente an den Pranger stellen kann.
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