SONNTAGMORGEN. ALLEIN.
2010-06-28
Katerstimmung herrscht in Mileva Demengas «Sonntagmorgen. Allein.», aber scheinbar nicht lange. Bald schon sind wir draussen, auf einem gemeinsamen Ausflug durch Sonne und Regen, bis es schon fast wieder dunkel ist. Was dazwischen oder dahinter steckt, muss man selbst herauslesen …
Trauriger Sonntagmorgen.
Nicht wirklich traurig.
Abr chli.
Sitze alleine am Küchentisch, leere stille Wohnung, alle sind weg.
Dumpfer Kopf nach kurzer Nacht, rauchige Haare und Whisky-Mund. Sonntagmorgen allein.
Du würdest vorbeikommen, hast du gesagt.
Du kommst nicht.
Ich mache es mir schön.
Mit Katze und Kerzen und Musik.
Trotzdem. Allein und etwas reisst in mir.
Ich gehe hinaus in den Regentag, zu dir.
Du bist da.
Du machst mir Kaffee.
Du zmörgelest und ich schaue dir zu und trinke den Kaffee, den du für mich gemacht hast.
Den ersten Morgenkaffee.
Den letzten Morgenkaffee?
Egal.
Hauptsache Morgenkaffee, jetzt.
Und dann, steigst du ein auf meinen Vorschlag, es scheint mir, als freust du dich.
Wir gehen hinaus und es beginnt ein Tag, den ich schon vorgeträumt habe.
Busfahren, ich neben dir.
Aus dem Fenster schauen wir uns die Welt an.
Schönes Dorf, frische frische reine Luft, regenwilder Wolkenhimmel.
Ein leuchtender Streifen, wir wenden uns der Sonne zu, sekundenlang blickst mich an, ich sehe dich nicht, du bist im Gegenlicht, du siehst meine Augen und meine Haare funkeln.
Hinauf ans Licht, zum alten Schloss, die nasse Welt glänzt in satten Farben.
Ein bisschen ausser Atem gelangen wir zuoberst an, wagen uns über das hohe Tor und oben sind wir, dem Verbot zum Trotz. Ein Innenhof in den Ruinen, ein dunkler Baum entwächst dem Stein – seit Jahrhunderten.
Weite, bedrohlicher Himmel und ganz weit weg der Schwefellichtstreifen.
Dann spazieren wir durch den alternden Wald.
Graue, glatte Stämme heben sich vor dem Rostrotbraun des Laubes ab, das den Waldboden bedeckt, eine nasse, schwere Decke, die die Erde vor dem Winter schützt.
Dunkel wirds.
Caspar-David-Friedrich-Bäume vor gelb-schwarzem Himmel.
Nach uns die Sintflut.
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© Templermeister von pixelio.de
Mileva Demenga (geb. 1984 in Bern) studiert seit 2005 Philosophie und Germanistik in Basel, ab 2010 in Berlin. 1994 Vertonung einiger Kindergedichte durch Heinz Holliger, Mileva Lieder. 2006-2008 Mitarbeit Literaturmagazin Pathos Pate. 2007 Veröffentlichung einer Kurzgeschichte in der Anthologie Rampenlicht, Herbert Utz Verlag Literaron, München.
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