GUTE GRüSSE AUS DEN USA
2008-07-09
«A Thousand Years of Good Prayers» / Wayne Wang findet mit seinem neuen Film den Weg zurück in die Programmkinos – mit einer einfühlsamen Geschichte über einen chinesischen Vater, der seine in den USA lebende Tochter besucht
Mr. Shi aus China besucht seine Tochter Yilan in den USA. Yilan hat sich dort assimiliert und verwirklicht einen Lebensentwurf, an den sich der Vater nur mit Mühe gewöhnen kann. Seine Tochter arbeitet, während er über die guten alten Zeiten nachdenkt, Besuch von mormonischen Missionaren kriegt und sich mit einer persischen Nachbarin anfreundet – und das, obwohl beide kaum Englisch sprechen. Mr. Shi, früher ein überzeugter Kommunist, hört die Musik des Chors der Roten Armee. Welten, nicht nur sprachlicher, sondern vielmehr ideologischer Natur, kollidieren.
Der in Hong Kong geborene, nach John Wayne benannte und in den USA wirkende Regisseur Wayne Wang hat nach seinem schrecklichen Mainstream-Verbrechen wie «Maid in Manhattan» wieder den Weg zurück ins Programmkino gefunden. Bekannt geworden ist der chinesisch-amerikanische Regisseur mit «Smoke» und «Blue in the Face», die er zusammen mit dem Schriftsteller Paul Auster gedreht hat. Auch «A Thousand Years of Good Prayers» basiert auf literarischen Werken – die Autorin Liyun Li hat das Drehbuch nach ihren Kurzgeschichten auch gleich selber geschrieben. Das ist ihr auf jeden Fall gut gelungen – auch wenn der Film weniger durch seine Dramaturgie denn durch die Stimmung besticht. Mit dem Schweizer Patrick Lindenmaier hat Wayne Wang einen Kameramann gefunden, der diesen Groove mühelos einfängt. Insofern erinnert «A Thousand Years of Good Prayers» entfernt an «Smoke» und «Blue in the Face», die ebenfalls von einer sehr losen Dramaturgie profitierten.
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