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THE GHOST WRITER

2010-02-27
Roman Polanski verfilmt nach „Oliver Twist“ eine weitere literarische Vorlage – diesmal aber einen stark in der Jetztzeit verwurzelten Stoff, der hervorragend unterhält und einer gewissen politischen Brisanz nicht ganz entbehrt. Der Film wurde in Berlin zu Recht mit dem Regiepreis ausgezeichnet.


Der ehemalige britische Premierminister Adam Lang ist nicht bei allen Zeitgenossen sonderlich beliebt – Stoff genug also für spannende Memoiren. Nun hat sein Ghostwriter allerdings das Zeitliche gesegnet. Sein Nachfolger ist aber bald gefunden – auch wenn dieser sich anfänglich nur widerwillig in seine neue Rolle schickt. Schliesslich stösst er bei seinen Recherchen schon bald auf Ungereimtheiten – und wird Zeuge der zerrütteten Ehe zwischen Ruth und dem ehemaligen Premier Adam. Erstere scheint nicht ganz immun gegen den jugendlichen Charme des Schreiberlings...

Roman Polanski hat immer wieder ein Faible für Literaturverfilmungen bewiesen – egal, ob es sich dabei um Shakespeare oder Groschenromane handelt. Nun hat er Robert Harris’ "Ghost“ verfilmt – der Autor der Vorlage hat zusammen mit Polanski auch das Drehbuch geschrieben. Dabei kommen sowohl Spannung als auch Humor nicht zu kurz – und nicht zuletzt lebt der Film von der tollen Besetzung. Ewan McGregor als Ghostwriter, Pierce Brosnan als ex-Premier, Olivia Williams als Ruth Lang – Eli Wallach wurde dabei sogar für eine winzige Nebenrolle nach Europa eingeflogen.

Roman Polanski war noch nie in erster Linie ein politischer Regisseur – auch wenn politische Themen immer wieder wichtige Rollen gespielt haben, etwa in „Death and the Maiden“ (nach Ariel Dorfmans Stück) oder „Chinatown“, einem Film, der u.a. auch Robert Harris beim Verfassen seines Bestsellers „Pompeji“ beeinflusst haben soll. In „The Ghost Writer“ ist Polanski nun wohl so nahe wie noch nie am politischen Tagesgeschehen – wer in Adam Lang Tony Blair erkennt, liegt sicher nicht falsch, auch wenn Pierce Brosnan als Adam Lang einen ganz anderen Charme versprüht als sein reales Vorbild.

In den USA, in denen „The Ghost Writer“ spielt, dürfte der Film durchaus kontrovers aufgenommen werden – wenn er denn überhaupt wahrgenommen wird. Im Zentrum des Films steht nämlich einerseits die Beziehung zwischen Adam und Ruth, andererseits aber das special relationship zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich. Mehr sei hier aber nicht verraten. Es ist sicher kein Zufall, dass „The Ghost Writer“ nicht nur Polanskis erster Film seit „Chinatown“ ist, der in den USA spielt – sondern auch, dass es in beiden Filmen um Politik geht. In erster Linie ist – bei aller Brisanz – „The Ghost Writer“ aber einfach ein herausragender Thriller.
zVg