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Nach "Juno" legt Jason Reitman einen mild-sozialkritischen Film zum Thema Arbeitslosigkeit vor, in dem bezeichnenderweise nicht die Arbeitslosen, sondern die Menschen, die sie feuern, im Zentrum stehen – und besticht daneben mit einer verhinderte Rom-Com
Ryan Bingham (George Clooney) ist der beste – wenn es darum geht, Leute zu feuern. Doch sein Boss hat andere Pläne: er will die ganze Vielfliegerei abschaffen und die Leute per Telekonferenz feuern lassen. Ryan ist entsetzt – doch damit nicht genug, nun soll ausgerechnet er seine blutjunge Kollegin, die ihm diesen Mist eingebrockt hat, einarbeiten.
Wie schon "Juno" verkauft uns Jason Reitman auch in seinem neuen Film traditionelle Werte so gut, das sie schon irgendwie wieder hip erscheinen. Gleichzeitig blendet er auch gewisse Brüche nicht aus: am Schluss wissen wir einerseits nicht, ob die Moral "Schuster bleib bei deinen Leisten" heisst – oder ob Ryan nicht doch glücklicher wäre, wenn er die Vielfliegerei hinter sich lassen würde.
Trotzdem ist "Up in the Air" in erster Linie ein äusserst versöhnlicher Film, in dem Ryan den Arbeitslosen zeigt, wie ihre neue Situation ihnen neue Chancen eröffnet – und diejenigen, die es weniger einfach haben, die haben immerhin die Unterstützung ihrer Familien und Partner. Trotzdem hat sich eine Arbeitslose umgebracht – allerdings nur dank Ryans neuer und nicht sehr geschickter Kollegin.
Natürlich ist Jason Reitman kein Costa Gavras – sein Vater zeichnete ja immerhin für "Ghostbusters" verantwortlich. "Up in the Air" ist denn auch in erster Linie – wie schon "Juno" – hervorragend gemachte, intelligente Unterhaltung, die Menschen mit ganz verschiedenen politischen Vorstellungen gefallen wird. Interessant dabei ist, das Ryan Binghams Familie im Film lutheranischer Konfession ist – das wirkt hier aber keineswegs als Anbiederung an den protestantischen Mainstream, sondern eher als ein durchaus realistisches Element, da die protestantischen Konfessionen in US-Filmen eher ausgeblendet werden. Wer sich an die 90er Jahre erinnert, darf sich zudem auf einen (persönlichen) Gastauftritt von Young MC ("Bust A Move") freuen. Auch Naughty by Nature und Chic sowie im Vorspann die fabulöse Sharon Jones (mit der Woody-Guthrie-Coverversion "This Land is your Land") sind zu hören.
Be that as it may: im Grunde genommen geht es in "Up in the Air" wohl gar nicht um Arbeitslosigkeit, sondern um Familie. Sicher spielt auch in anderen Filmen wie etwa "Le couperet" oder "L'emploi du temps" die Familie eine wichtige Rolle; hier aber geht es um die ganz fundamentale Frage, ob es nicht schöner ist, mit anderen Menschen zusammenzuleben. Wie in "Juno" werden hier also traditionelle Werte – jenseits von politischen Fragen im engeren Sinne – zelebriert. Wobei am Schluss dann alles eben doch nicht so funktioniert wie in einer Genrekomödie – wie in "Juno", wo die adoptionswilligen Eltern sich am Schluss trennen.
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