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EIN BROTLOSER SPASS

2010-07-07
Fünf Mitarbeitende von «gezeteraPrint» und «gezeteraOnline» schreiben alle zwei Wochen eine Kolumne in der «Basler Zeitung BaZ». Am 29.6.2010 schrieb Anna Ospelt.

«Gibt es ein schöneres Bild als das Kollegienhaus, die Unibibliothek und die bunte Leserschar auf dem Petersplatz?» Was wie ein romantisch-verzerrter Werbeslogan der Universität Basel klingt, ist meine tatsächliche Gemütslage nach einer halbjährigen Studienpause. Während meines Bachelorabschlusses an der philosophisch-historischen Fakultät habe ich den Wunsch entwickelt, Ferien von der Uni mit einem Ausflug in die Arbeitswelt zu kombinieren. Unmengen von Zeitungsartikeln, Statistiken und Gesellschaftskritiken haben mich im Vorfeld informiert, dass ich Teil der «Generation Praktikum» sei. Aber so, wie ich mich nicht mit der Schweiz identifizieren möchte, wenn sie gegen den Bau von Minaretten abstimmt, will ich mich nicht als Teil einer von Soziologen diagnostizierten Generation sehen, die erst nach mehrjähriger «praktischer Erfahrung» eine Chance auf einen anständigen Lohn hat. Jedoch musste ich mir diesen Winter nach langer Recherche und unzähligen Bewerbungen eingestehen, dass ich für die tollen Jobs, für die ich mittlerweile auch qualifiziert bin, wenig oder gar kein Geld bekomme.       Hingegen werden jene Jobs, für die mir mein Studium rein gar nichts bringt, wenn nicht gar hinderlich ist, erstaunlich gut vergütet. Bezahlt mit Inspiration. Also ging ich einen Kompromiss ein. Drei Monate lang habe ich überglücklich in einem Verlag praktiziert; bezahlt wurde ich mit Inspiration, Wissen, Büchern und tollen Bekanntschaften. Nun arbeite ich seit Kurzem an einem Informationsschalter für Touristen. Bekomme einen klirrenden Stundenlohn und der lebenswerte Teil meines Tages beginnt um 18 Uhr. In einem Roman, den ich letzthin las, meinte die unglückliche Heldin rechtfertigend: «Viele Leute hassen ihre Arbeit. Deswegen heisst es ja Arbeit.» Aber muss das denn sein? Das Gute an meinem derzeit frustrierenden Arbeitsleben ist jedoch, dass ich mich wie verrückt auf das nächste Semester freue. Ich sehne mich nach dem, was Studierende in der Regel auf die Palme bringt: endlose Lektüre, sich im Kreis drehende Seminardiskussionen, schwer gewordene Leseluft und die liebe alte Kaffeesucht. Nicht aber auf das Fremdwort «Feierabend». Denn den geniesse ich in vollen Zügen.
nons77, piqs.de
«Ich sehne mich nach dem, was Studierende in der Regel auf die Palme bringt: endlose Lektüre, sich im Kreis drehende Seminardiskussionen, schwer gewordene Leseluft und die liebe alte Kaffeesucht.»