| Montag, 10 Uhr. Dank der akademischen Viertelstunde reicht es für einen Kaffee vor dem Seminar. Die Kommilitonen rennen. Zum Kaffeeautomaten wollen wir alle, denn ohne Koffein geht es nicht. Auch nicht ohne Abfall, denn Pappbecher nach Pappbecher landet, wie Plastiklöffel nach Plastiklöffel, im Müll. Wir müssen los, 15 Minuten gehen schnell um. Nicht so die zwei Stunden Seminar bis 12 Uhr. Nach dem Mittagessen schichten wir auf die Plastiklöffel und Pappbecher im Müll noch etliche Plastikschalen, Joghurtbecher, Folien, Papiertüten und PET-Flaschen. Dann kommt erneut der Kaffeeautomat ins Spiel. Wie ein Buddha, der Brodel-Laute von sich gibt, erregt er die Aufmerksamkeit der Verdauenden. Und wieder sammeln sich Unmengen von Pappbechern in den Kehrichtsäcken, gelegentlich verziert von bunt glänzenden Schokoriegel-Verpackungen. Auch diejenigen, die ihr Essen im Supermarkt kaufen, erzeugen nicht weniger Müll: Betty, Anna und ihre anderen Supermarkt-Kolleginnen und -Kollegen gesellen sich zu den uni-internen Verpackungen. eine art geschenk. Wie viele Blätter Papier ein durchschnittlicher Student aus Langeweile, Wut oder Frustration über die Bildungseinrichtung zerreisst, verschweige ich. Auch, wie viele Pizza- und Burger-Kartonagen er zwecks Nahrungsaufnahme | | verschleisst – zu gross ist die Angst vor Sanktionen. Nachher verbietet man uns zugunsten einer besseren (Um-)Welt diese einzigartige Form der Musse. Wer Verpackungen aufreisst, ist gespannt. Jedes noch so läppische Sandwich ist eine Art mit Zellophan umhülltes Geschenk – wenn nicht sogar ein Accessoire. Ein Sandwich in der Hand oder einen Kaffee gehört zum Erscheinungsbild eines Studenten in der Pause, ebenso wie der betont lässige Abwurf des Mülls, immer locker aus dem Handgelenk. Natürlich weiss der studentische Käufer, um welchen Inhalt es sich handelt – doch die Aura des Auspackens, des Raschelns der Verpackung und des finalen Bisses in das noch teilweise verhüllte Objekt der Begierde lassen den Eindruck aufkommen, es handle sich um ein Vorspiel zum Sternemenü. Natürlich folgt eben dies nicht. Höchstens ein Kaffee aus dem brodelnden Buddha, um den sich die Pappbecher und Plastiklöffel sowie Deckel wie eine Verpackungsarmada scharen. Es ist 14.15 Uhr. In der Cafeteria bleiben volle Kehrichtsäcke, der brodelnde Buddha und vereinzelte Gratiszeitungen zurück. Satt und zufrieden verlassen wir den Ort, den wir gerade noch leergegessen und zugemüllt haben. Morgen brodelt der Buddha wieder. Vielleicht brüht er den Kaffee auf. Oder er mokiert sich über die studentische Müllkultur. |
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«Dann kommt erneut der Kaffeeautomat ins Spiel. Wie ein Buddha, der Brodel-Laute von sich gibt, erregt er die Aufmerksamkeit der Verdauenden.»
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