Uni Basel, wir befinden uns im Jahr 10 nach Bologna Geburt. Die ganze Studierendenschaft ist vom Gedanken an den schnellen Credit Point durchsetzt … - Moment! – Die ganze Studierendenschaft? Nein! Denn Grüpplein von unbeugsamen Idealisten hören nicht auf, sich auch ohne Credit Points für einen lebendigen, abwechslungsreichen Campus einzusetzen. So kann man sich u.a. unipolitisch, als BetreuerIn von Erasmus-Studierenden oder in einer Theatertruppe engagieren. Man muss sich einfach die Zeit nehmen und suchen. Es lohnt sich. Persönlich brauchte ich mehrere Semester, bis ich vor drei Jahren auf ein Plakat stiess: «Unizeitung ‹gezetera› sucht neue Mitarbeiter».
Seither finde ich viel Gefallen an der Arbeit für die «gezetera», die seit 1987 für unabhängigen, fakultätsübergreifenden Uni-Journalismus steht. Es gibt eine Online- sowie eine Printausgabe. Das ideale Umfeld, um erste journalistische Erfahrungen zu sammeln. Die «gezeteraOnline» bietet die Möglichkeit, Texte für die ganze Welt nur einen Mausklick entfernt zu platzieren. Diese universelle Erreichbarkeit schreckt manche ab. «Kann ich unter Pseudonym publizieren?», lautet eine ab und zu gehörte Frage (kann man, wenn der Text gut ist). | | Man kann auch mal etwas ausprobieren, sehen, was sich bewährt, und man lernt Gleichgesinnte kennen. Ausserdem sinkt die «Hemmschwelle», einen Text nicht nur zu schreiben, sondern auch zu publizieren. Schublade adieu, WWW ahoi!
Redaktionssitzungen werden in Beizen abgehalten und entschädigen für den einen oder anderen Stressmoment kurz vor Redaktionsschluss. Das Netz hat den Nachteil, dass der Zeitdruck des Print-Redaktionsschlusses («Schreib das jetzt!») fehlt, was es manchmal schwer macht, an neue Texte, und nicht nur an vage Textschreib-Absichtserklärungen («Ich schreib das jetzt ...»), heranzukommen. Manche potenzielle Online-AutorInnen sorgen sich auch um die Lesegewohnheiten der Surfer: «Das kann ich nicht online stellen, das geht nur auf Papier!», ein Vorbehalt, der sich mit den heutigen WWW-Lesegewohnheiten nicht unbedingt decken muss. Mittlerweile hört man nur noch selten man den Einwand: «Das ist doch ‹nur› ein Blog, das ist doch kein Journalismus!» (stimmt nicht; das Netz ist, was man daraus macht), oder: «Ich kann nicht für die Online schreiben, sonst kann mich jeder googeln!» (stimmt, das ist der Reiz daran).
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